Nachfolgeregelung in der Krise

KSI Krisen-, Sanierungs- und Insolvenzberatung 02.09, 03.2009

 

Von der KSI-Redaktion für Sie nachgefragt:

Ausnahmesituation Staffelübergabe: Unterneh­men, Unternehmer und Nachfolger in der Krise?

Beantwortet von Wolf Kempert*

Die Gründer- und Aufbaugeneration tritt ab. Jährlich suchen etwa 70.000 Unterneh­mer einen Nachfolger. Der oft über jahr­zehntelange Erfahrungen verfügende Unter­nehmer befindet sich bei der Übergabe sei­nes Betriebs in einer Ausnahmesituation, da dieser Vorgang i.d.R. einmalig im Leben eines Menschen ist. Die Nachfolgeregelung ist für ihn und seine Familie meist von existenzieller Bedeutung. Besondere Umfeldbedingun­gen wie derzeit die Folgen der Finanzmarkt­krise verschärfen die Problematik sehr.

 

KSI-Redaktion: In knapp 30% der Fälle er­folgt die Unternehmensübergabe unfreiwil­lig, d. h. durch Tod, Unfall oder Handlungs­unfähigkeit des Unternehmers - mit welchen Konsequenzen?

Kempert: Ertragseinbußen und Umsatzrück­gänge, aber auch Insolvenzen sind oft die Folge. Die ungeklärte Nachfolge schädigt nicht nur die Firma und führt dort zu Ver­mögensverlusten, sie belastet auch den Zu­sammenhalt in der Familie und gefährdet neben dem Unternehmen auch Mitarbeiter, Lieferanten, Banken; nicht selten ist die ge­samte Region betroffen.

 

KSI-Redaktion: Was macht es denn für die Unternehmer so schwierig, sich der Nachfol­geproblematik zu stellen?

Kempert: Der Unternehmer weiß, dass die Übergabe letztendlich irreversibel ist. Zudem kann er aufgrund der Komplexität und Sin­gularität des Vorhabens nicht auf Standard­lösungen zurückgreifen. Erfahrungsgemäß spielen neben den üblichen Fragestellungen zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens auch Unsicherheiten hinsichtlich der Eig­nung des Nachfolgers eine sehr wesentliche Rolle. Sind die eigenen Kinder geeignet oder sollte es doch lieber ein bewährter Mitarbei­ter aus dem Management sein? Kommt evtl. auch ein externer Nachfolger in Betracht, der auf eine langjährige Laufbahn in verant­wortungsvollen Positionen zurückblicken kann und der in der Lage ist, die Firma zu­künftig sicher zu führen? Hinzu kommt in Familienunternehmen, dass sie oft völlig auf den Senior zugeschnitten sind und eine zweite Führungsebene, die den Nachfolger gerade am Anfang unterstützen könnte, komplett fehlt.

 

KSI-Redaktion: Das sind sicher schwierige Fragen, denn zumindest in inhabergeprägten Unternehmen ist es ja letztendlich die Person des Nachfolgers, die entscheidend für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens sein wird. Welche Risiken haben außerdem in Ih­rer Beratungspraxis dominiert?

Kempert: Weitere Risiken sind insbesondere die Fluktuation von Schlüsselkräften und zurückhaltende Reaktionen bei Lieferanten und Kunden - vor allem, wenn die Nach­folge zu spät angegangen wird. Finanzielle Risiken kommen ebenfalls auf den Alt-Untemehmer zu: durch Abfindungsansprüche, ausscheidende Gesellschafter, Entnahmen zur Zahlung der Erbschaftsteuer bzw. zur Abfindung von Pflichtteilsverzichten und nicht zuletzt aufgrund mangelnder Alters­vorsorge. Darüber hinaus können sich gesellschaftsrechtliche Probleme ergeben, etwa aus Pattsituationen im Gesellschafterkreis oder durch unerwünschte Gesellschafter im Erbfall.

 

KSI-Redaktion: Somit verwundert es nicht, wenn sich der Unternehmer selbst und das Unternehmen bereits aufgrund der bevorste­henden Nachfolge in einer kritischen Lage wieder Finden, die sich oft zu einer Krisen­situation zuspitzen kann. Wie lässt sich dem vorbeugen?

Kempert: Der beste Weg aus dieser Situation ist die Vorbereitung der Nachfolge über einem Zeitraum von ca. fünf Jahren. Der Se­nior sollte sich davor hüten, die Nachfolge nur „nebenher" bewältigen zu wollen, son­dern er muss die Nachfolge als Projekt be­trachten, welches i.d.R. vom Anfang bis zum Ende professioneller Begleitung bedarf.

 

KSI-Redaktion: Hinzu kommt die aktuell schwierige Situation im wirtschaftlichen Um­feld: Die Banken zögern bei der Bewilligung von Kreditlinien, der Absatz schwächelt auf­grund allgemein zurück gehender Nachfrage und potenzielle externe Nachfolger haben Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Übernahme. Wie sollte mit diesem Szenario umgegangen werden, denn Übergaben kön­nen ja nur teilweise aufgeschoben werden:

Was empfehlen Sie?

Kempert: In diesem Zusammenhang ist es von elementarer Bedeutung, die Zukunfts­fähigkeit des Unternehmens in den Mittel­punkt der Analysen zu rücken. Sie garantiert im Verkaufsfall dem Abgebenden einen fai­ren Preis und den Fortbestand seines unter­nehmerischen Lebenswerks. Für den Nach­folger ist die Entwicklung einer eigenen zukunftsorientierten Strategie der sicherste Weg in die unternehmerische Zukunft. Die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Übergabe ist eine umfassende Vorbereitung des Nachfolgeprozesses - im Sinne einer Not­fallplanung auch von Unternehmern, die un­ter normalen Umständen nicht an den Rück­zug aus dem Geschäft denken. In der Krise liegt bekanntlich zwar auch die Chance - in diesem Fall ist es aber zweifellos besser, eine vielleicht ohnehin schon schwierige Situa­tion nicht noch mit einer Nachfolgekrise zu paaren.

 

* Der Interviewpartner Wolf Kempert ist Geschäfts­führer der UNU Gesellschaft für Unternehmens-Nachfolge und Unternehmensführung mbH, Lud­wig-Erhard-Haus, Fasanenstraße 85, D-10623 Berlin, www.unu-nachfolge.de, sowie Mitglied des BDU-Fachverbands Unternehmensgründung, -entwicklung und -nachfolge

 

 


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