Fachkonferenz "Der Ingenieur als Unternehmer"

Absatzwirtschaft Nr. 07, 07.2005

Haben Ingenieure das Zeug zum Unternehmer? Welche Anforderungen als Führungskraft und Unternehmer muss er erfüllen? Auf welche Erfolgskriterien kommt es an? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Fachkonferenz an der TU Berlin.

Zu der Konferenz "Der Ingenieur als Unternehmer" kamen am 24. Mai rund 50 Unternehmer, Ingenieure und Studenten in das Produktionstechnische Zentrum (PTZ), die Innovations- und Unternehmerschmiede der TU Berlin und der Fraunhofergesellschaft. Veranstaltet wurde das Treffen von der VDI-Mittel-standsinitiative, dem VDMA-Nordost und der Technischen Universität (TU) Berlin.

Prof. Dr. Jörg Krüger, Gastgeber der Konferenz und selbst Unternehmer, verdeutlichte die Leistungsfähigkeit des PTZ mit 58 Unternehmensgründungen, aus denen über 2000 Arbeitsplätze hervorgingen. An seinem eigenen Beispiel zeigte er einen wesentlichen Erfolgsfaktor für einen Unternehmer auf: die Überzeugungskraft. Er konnte diese Fähigkeit bereits in seiner Ausbildungszeit an der TU erwerben. Später stellte sie neben seinem exzellenten technischen Grundwissen und dem notwendigen betriebswirtschaftlichen Know-how die Basis für seine berufliche und unternehmerische Entwicklung dar.

Während Wolf Kempert, Initiator der Veranstaltung und Sprecher der VDI-Mittelstandsinitiative, einen Überblick über die Anforderungen und Erfolgskriterien für Führungskräfte und Unternehmer insbesondere im Mittelstand gab und auf die besonderen Möglichkeiten hinwies, zeigte Norbert Geyer die praktische unternehmerische Sicht aus seinem Erfahrungshintergrund auf. Geyer, heute 58 Jahre alt und geschäftsführender Gesellschafter der Geyer Gruppe Industrieholding, hat sein Handwerk von der Pike auf als Werkzeugmacher erlernt. Wie er sehr anschaulich darstellte, hat er viele Entwicklungsstationen zum Unternehmer durchlaufen. Erst als Führungskraft im elterlichen Kleinbetrieb, als Nachfolger, als Existenzgründer, als Gesellschafter bis zur heutigen Aufgabe.
Geyer verschwieg aber auch nicht die schwierigen Erfahrungen eines missglückten Engagements, bei dem die mittelständischen Finanzierungsmöglichkeiten nicht mehr ausgereicht hatten. So stehen für ihn heute die sichere Finanzierung und die notwendige Liquidität im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Wer ihn allerdings kennt und ihn beobachten konnte, sieht, dass bei ihm die strategische Weitsicht, Beharrlichkeit und das Vertrauen in fähige Mitarbeiter zu seinem heutigen Erfolg führten. Vertrauen ist eine Kompetenz, die er ausstrahlt. Seine Begeisterung und Leidenschaft für das Unternehmertum ist ansteckend. Er wies aber auch auf die Belastungen hin, auf die Notwendigkeit der Selbstmotivation und die Wichtigkeit der familiären Unterstützung, gerade in kritischen Situationen.

Gabriele Gölz, Leiterin des VDI-Arbeitskreises Marketing, Management und Vertrieb, machte am eigenen Entwicklungsbeispiel deutlich, wie sich Ingenieure aus der Unselbstständigkeit in die unternehmerische Freiheit bewegen können. Was man dem Ingenieur nicht unbedingt zutraut, nämlich einen marktstrategischen Ansatz für das eigene Unternehmen zu finden, hat Gabriele Gölz beispielhaft gezeigt. Mit ihrem Direktmarketing-Unternehmen bringt sie kommunikative und emotionale Kompetenz in ein technikgeprägtes Umfeld, und die ist bei uns Ingenieuren wenig ausgeprägt. Ihre Fähigkeit, Unternehmen auf den Kunden auszurichten, ihm zu Aufmerksamkeit und Aufträgen zu verhelfen, ist ihr Erfolgsgeheimnis.

Das Berliner Umfeld, gerade auch an den Hochschulen, ist mit über 50 Existenzgründerinitiativen besonders gründerfreundlich. Der VDI in Düsseldorf aber auch die VDI-Mittelstandsinitiative beraten und unterstützen Ingenieure darüber hinaus bei der Gründung. Auf diese Optionen, aber auch auf die Möglichkeit, als Nachfolger ein Unternehmen zu übernehmen, wies besonders Wolf Kempert hin, der sich mit seinem eigenen Unternehmen, der Unu Gesellschaft für Unternehmensnachfolge und Unternehmensführung mbH besonders mit dieser Möglichkeit auseinander setzt.

Die im Auditorium anwesenden Jungingenieure fühlten sich zwar angesprochen, waren aber noch nicht so weit, um diesen Schritt konkret zu wagen. Das ist klug gehandelt, denn vor der Gründung des eigenen Unternehmens oder der Nachfolge sollte der Ingenieur genügend Erfahrung in einem gestandenen Betrieb gesammelt haben. Das war die einhellige Meinung im abschließenden Erfahrungsaustausch. Viele Themen konnten nur angerissen werden, meinte Norbert Geyer, insbesondere Themen wie gesellschaftliche Verantwortung, das Bild des Mittelstandes in der Öffentlichkeit und anderes mehr. Er wertete die Veranstaltung deshalb als Auftakt, um sich in diesem Kreis mit den Themen weiter auseinander zu setzen.


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